Schlagwort-Archive: Peter Prange

Peter Prange: Das Bernstein-Amulett

Mit seiner deutsch-deutschen Geschichte um das Schicksal einer Familie, die den Auftakt und Niedergang der Teilung Deutschlands durchlebt, beweist Peter Prange nicht nur Feingefühl im historischen Schreiben, sondern unterstreicht thematisch die Irrationalität menschlicher Psyche im Umbruch der eigenen Welt. Das Motiv der Sittlichkeit nährt den Boden der Konflikte, die in einer viel zu kleinen, viel zu kalten, viel zu beängstigten Welt um sich schlagen.

Das Leben von Barbara wurde durch den Einmarsch der sowjetischen Truppen auseinandergerissen. Ihre Familie geht zu Grunde, ihre Freunde und Bekannten fliehen oder hintergehen sie. Ihr bleibt nur die Hoffnung auf eine bessere Zeit, die den Schmerz und die Entbehrungen ablöst. Sie kämpft sich durch Verachtung, Verleumdung und Verrat und versucht, dem Sog der Vergangenheit, der sie immer wieder in eine schicksalhafte Oktobernacht 1944 zurückzieht, zu entfliehen. Später verläuft ihr Leben ebenso zweigeteilt wie das Land und nur mit Mut und Vertrauen können beide Mauern eingerissen werden.

Mit “Das Bernsteinamulett. Geschichte einer Familie aus Deutschland” gelingt dem 1955 geborenem Peter Prange der schriftstellerische Durchbruch. Sein Werk führt dem Zuhörer ebenso schmerzlich wie direkt vor, welchen Einfluss Politik auf das Leben nimmt. Er stellt mehrmals die Systemfrage und schafft es dabei, Fragenden wie Befragten als Subjekt darzustellen und so die einzig vernünftige Wertung vorzunehmen. Auffallend an der Handlung sind die fortlaufenden, zum dramaturgischen Verlauf notwendigen Begegnungen der einzelnen Persönlichkeiten. Diese Zusammenkünfte wirken dabei konstruiert oder besitzen eine geheimnisumwickelte Aura, die leider am Ende nicht aufgehoben wird. Zwei Mankos der Geschichte sind die rückblickende Einleitung, welche viel Spannungspotenzial im Vorfeld vernichtet, sowie das rasche Ende, welches zwar gefühlsmäßig betont ist, aber leider nicht die Töne trifft, die sich der Zuhörer erhofft hat.

Franziska Pigulla liest ebenso gekonnt die dramatischen Stellen des Werkes wie sie die Liebesgeschichte melodisch interpretiert. “Das Bernstein-Amulett” bleibt aufgrund der ausgeprägten Personen- und Handlungskonstellation wohl jedem im Gedächtnis.