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Die Muppets

“Jetzt tanzen alle Puppen” heißt es im Intro einer Sendung, die mit ihrem Erscheinen einen eigenen kulturellen Einfluss in die Welt gebracht hat. Klassisch in Herz und Erinnerung geblieben, bildeten die Muppets für viele Leute in den 80er Jahren ein Ideal von Witz und Charme, welches sich z.T. auch in die heutige Zeit gehalten hat. Unvergesslich sind die pointierten wie parodierten Einlagen der von Frank Oz und Jim Henson erdachten Figuren, die so viel mehr können als Kinder zu unterhalten.

Heute, eine Generation später, will James Bobin – Regisseur des neuen Muppet-Films – zeigen, wie stumpf der Zahn der Zeit an so hohen Gütern reibt, wie sie die Handpuppen damals vertreten haben. Die Frage, die der Film an die Zuschauer wie an sich selbst stellt, lautet: Was ist aus den Muppets geworden? In ihren letzten beiden Kinofilmen hatten sie nicht das knallig bunte Niveau erreicht, welches in den von Gaststars besuchten Fernsehserien vermittelt wurde. Was ist das für eine Welt, in der sich Kermit & Co. wiederfinden?

“Die Muppets” zeigt eine Geschichte voller Selbstreflexion. In einer idealisierten, amerikanischen Vorstadt, in der die Zeit still steht, macht sich Walter, der größte Muppet-Verehrer, zusammen mit seinem Bruder und dessen Freundin auf eine Reise ins Muppet-Theater. Dieses soll von einem Ölbaron niedergerissen werden. Einzige Chance: Eine letzte Muppet-Show, die genügend Geld auftreiben soll.

Während dieser Reise, in der Menschen wie Muppets über ihren eigenen Schatten springen und sich zu ihrer Rolle im Schauspiel des Lebens bekennen müssen, durchlebt der Zuschauer wehmütig den Wandel der Zeit. Selbstironisch, weil sich ihr Leben nur auf der Bühne, mit bunten Knalleffekten und Musik, abspielt, inszenieren die Muppets einen Mix aus Wehmut und Euphorie. Sie können nicht anders, sie sind Puppen. Die Welt ihrer Spieler hat sich weitergedreht und das macht der Film deutlich. Dennoch findet eine Symbiose zwischen Vergangenheit und Gegenwart statt, in deren zentralem Mittelpunkt die Selbsterkenntnis, das Heranwachsen und das Finden eines Platzes in einer neuen, zynischen Umgebung, beinhaltet.

Frank Oz und Jim Henson sowie all die Puppenspieler der alten Garde werden dem Werk, welches ihre Kinder verwendet, sicherlich mit Argwohn gegenüberstehen. Dennoch schlägt “Die Muppets” die Brücke zum eigentlich Ziel: Eine Welt wird gezeigt, in der sich Puppen vom Publikum zu apostolischen Meinungsträgern der Sittlichkeit und des Anstandes einsetzen lassen. Wer sonst würde heute noch der Aufforderung “schmeist euch in Frack und Fummel” nachkommen, ist doch alles “nur” Show?

Der Höhepunkt der Selbstreflexion wird durch die Frage erreicht, wie viel Mensch im Muppet – oder umgekehrt – steckt. Ist die moralische Instanz eines Muppets größer als die eines Menschen? Wenn ja, ist das traurig, sind die Muppets doch nur Hüllen für Werte und Moralvorstellungen, die zwar mit Herzblut verteidigt werden, aber nicht ohne Wirkungs- und Handlungsobjekt auskommen können.

Aber wir, das Publikum – egal, welche Generation unsere Stimme trägt – sind dankbar für das Aufflackern des Außergewöhnlichem, des Liebevollen, des Lachen auf den Brettern, die unsere Welt bedeuten.