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Elisabeth Hering: Die Magd der Pharaonen

Unzählige Bücher, Dokumentarfilme und Webseiten befassen sich detailliert mit der einst glänzenden ägyptischen Hochkultur. Liest man Elisabeth Herings “Die Magd der Pharaonen” glaubt man, alle Informationen und Bilder, alle Emotionen und Eindrücke in einer Lebensgeschichte wiedergefunden zu haben.

Dieser kulturhistorische Roman schafft es die Brücke zwischen Bildung und Unterhaltung zu schlagen. Er gibt tiefgreifende Einblicke in ein fremdes Leben, voller Symbolik und Mystik und schafft es dennoch, die essenzielle Menschlichkeit, die unveränderbar vom Lauf der Zeit in uns wohnt zu kennzeichnen und auszudrücken.

Merit, die Protagonistin des Buches, berichtet von ihren Erlebnissen und gibt – weil sie ebenfalls eine Fremde im Land unter der Doppelkrone ist – nachvollziehbare Eindrücke an den Leser weiter. IIn ihrer Geschichte wechseln sich Trauer mit Glück und Faszination mit Furcht ab und schaffen es, eine Zeit lebendig werden zu lassen, in der neben den tiefsten Sehnsüchten auch dunkle Geheimnisse und Verbrechen gelauert haben.

Hering, Elisabeth: Die Magd der Pharaonen. 1952 Prisma-Verlag

Bernd Kemter: Der Bannfluch

In “Der Bannfluch” zeichnet Bernd Kemter die letzte Reise des Mystikers Meister Eckhart nach. Dabei gewährt er dem Leser Einblicke in verschiedene Lebensbereiche des Mittelalters.

Die historischen Etappen der Reise beschreibt der Autor durch die Augen von Georg, einem fiktiven Charakter, der Eckharts Reisegefährte und Schüler wird. Durch die Wahl dieser Hauptperson gelingt es, die jugendliche Faszination für Religion, Architektur und Wissenschaft dem Leser durch bildhafte Sprache näher zu bringen. Die Erlebnisse des Protagonisten werden durch eine Rahmenhandlung eingeleitet und in Rückblenden aufgearbeitet. Dennoch ist die Handlung durch den straffen Erzählstil dicht gehalten.

Eckhart steht unter Zeitdruck: Er muss die Strecke Köln – Avignon vor seinem Rivalen bewältigen. Der Leser wird vom Fieber dieser Aufgabe mitgerissen. Ebenso wie sich die Position der Protagonisten von den Verfolgern zu Verfolgten wandelt, weitet sich der neue Lebensweg Georgs, dessen erster Trittstein auf Glauben gesetzt ist, sich jedoch immer mehr zum Geistigen wendet.

Bernd Kemter nutzt die fiktive Auseinandersetzung Eckharts mit seinem Schützling, um den Mystiker menschlicher, mit Licht- und Schattenseiten darzustellen. Mal ist er die gerühmte, geistliche Größe, mal egozentrisch auf sein eigenes Weiterkommen bedacht. Der Leser leidet mit Eckhart, nimmt an seiner Reue teil, empört sich über seine Härte gegen Georg. Jeder Schritt ihrer Reise wandelt das Duo – ist sie doch eine Gratwanderung zwischen Heil und Verdammnis.

“Der Bannfluch”, die überarbeitete Fassung von Kemters “Meister Eckharts Prozess” ist eine Stippvisite in verschiedene sozial hierarchische Strukturen des europäischen Spätmittelalters, eingebettet in der Suche nach Wahrheit im Allgemeinen und nach Gott in uns im Besonderen.

Kemter, Bernd: Der Bannfluch. Erzählung um den Mystiker Meister Eckhart. 2012 ISBN 978-3-940911-24-7 Verlag Leben in der Sprache