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Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (1+2)

Er musste den Höhepunkt eines Epos bilden. Er musste den Anforderungen von Millionen Lesern und Zuschauern genügen. Bei solchem Leistungsdruck lastete die Verantwortung schwer auf David Yates, Steve Kloves und den vielen, anderen Machern des Potter-Abschlusses.

Unklar ist noch immer, warum man diesen Film teilen musste, sucht man nach einer anderen Begründung außer kräftigem Kapitaleintrag. Schließlich wurden bestimmte Romanszenen auch schon in früheren Teilen weggelassen – oder, was ja unter Umständen noch halbwegs verschmerzbar ist, vereinfacht oder verändert. Möglicherweise würde man noch das Nachsehen haben, wenn die Filme das wären, was sie seien müssten – Glieder eines Ganzen, welches vereint zu einem Symposium klassischer Dramatik und Epik wächst.

Leider scheinen die Filmemacher zwischen dem Dreh beider Teile in die Sommerpause gegangen und sich dort einen Sonnenbrand mit anschließender Demenz zugezogen zu haben. Die Filme unterscheiden sich im wörtlichen Sinne wie Tag und Nacht. Während der zweite Teil actiongeladen im trüben Tageslicht das Finale einleitet, schleichen die Protagonisten im ersten Teil so klein und unsichtbar wie möglich durch das Halbdunkel der Kameraeinstellung. Der klinische Schnitt durch die Filmrolle ist sauber und kunstverachtend, denn er verleugnet die Gesamtheit des Films als solchen. Der Dreh scheint einem Listenprinzip zu folgen; erster Teil: Einleitung; Spannung; Tragik; Ungewissheit; Tragik; Konflikt; Zweifel; Passivität; Tragik. Der zweite Teil: blasse Einleitung; Action; Konflikt; Action; Rückblenden; imposantes Hinarbeiten aufs Finale; Witz; Kracher; Finale.

Die Emotionen, das Wachsen der Protagonisten, welches der Zuschauer mitverfolgen konnte, hätten sich in diesem Teil knisternd entladen müssen, eingebettet in die Story, die zugegebenermaßen Schwierigkeiten aufzeigt, abwechslungsreich dargestellt werden zu können. Zwar liegen Psyche und Gefühle offen und die Szenen haben den Funken der Dramatik, die sie haben sollen, doch scheint alles Geschehen irgendwie dem Sinn, eben einfach zu passieren, weil es passieren muss, hinterherzuhinken. Die Schwächen, die der erste Teil in sich trägt, werden im zweiten Teil versucht aufzuwiegen, was aber nur teilweise gelingt. Hollywood ließ es sich auch nicht nehmen, die eigene Marke in den finalen Kämpfen aufzudrücken,was sich darin äußert, dass sich der Zuschauer manchmal fragt, ob er nicht doch in einer Schlachtszene von “Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs” gelandet ist. An dieser Stelle sei aber gesagt, dass die “amerikanische” Action hier durchaus einmal willkommen ist – zwar vergrößert sie den Gegensatz zwischen Teil 1 und 2, vertröstet das Publikum aber mit bildgewaltigen Szenen.

Für Potter-Fans ist der Kinofilm dennoch lohnenswert, besonders, wenn sie die düstere, bedrohliche Atmosphäre der späteren Teile gemocht haben. Atmosphärenreich ist die “Suche” nach den Heiligtümern des Todes, nur eben stellenweise sehr langatmig. Man sollte seine Erwartungen an den Film nicht auf Rowlings Romanvorlage fixieren; denn eines ist klar:

Die Potter-Filme sind Selbstläufer, deren Erfolg auf den Büchern basiert. Sie werden niemals den literarischen Aspekten gerecht werden und sind als Klasse für sich zu betrachten. In der Filmbranche haben sie sich einen beachtlichen Platz gesichert – auf höchst magische Weise.