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Gran Torino

Mitunter ausgezeichnet als einer der besten 10 Filme des Jahres 2008 nimmt Gran Torino eine weitere Hoheitsstellung in Clint Eastwoods – und unserer – Filmgeschichte ein. Dem Zuschauer wird eine emotional geladene Handlung präsentiert, die durch einen Zusammenprall von Werten, Moral, Religion und Gesellschaftsklassen einen Mikrokosmos menschlicher Soziologie erschafft.

Hineingeworfen in die Beerdigung der geliebten Frau, reihen sich dem Protagonisten Situationen auf, die die Wertung seiner Umgebung als krank und verfallen bezeichnen. Eastwood spielt hier eine Figur, der man trotz seiner Erscheinung (Ausländerhass, Zynismus, Verbitterung) mit Mitleid begegnen muss – nicht in allen Punkten, mindestens jedoch in der Sicht des Niedergang der Tugenden, dem Zerfall des amerikanischen Traumes, der auf dieser Filmebene jeglicher Nationalität entfremdet werden soll.

Was mit nüchterner Logik beginnt, entwickelt sich zu einer Vater-Sohn-Beziehung: Eastwoods Figur des Alleinkämpfers und Vietnam-Veteranes wird durch den Hmong-Nachbarsjungen vermenschlicht; sieht er auch nur in seinem “Feindbild” das Weiterleben der Dinge, für die er gelebt und gekämpft hat.

Bindeglied dieser Gemeinschaft ist der filmtitelgebende Wagen, der den größten Schatz eines alten Mannes, seine Erfahrungen und Früchte seiner Arbeit aufsummiert – gleichzeitig die Träume und Wünsche des Jungen symbolisiert.

Eastwood, Pionier von Western- oder Action-Klischees; wortkarg und konsequent, sich über die Jahre hinweg als Regisseur zu emotionaleren Thematiken weiterentwickelt, hat mit Gran Torino scheinbar das Resümee seiner Schauspielkarriere gezogen und sämtliche Figuren vom Stereotyp bis zum Individuum in einer Rolle verkörpert. Vielleicht stellte dieser Film die kritische Erbschaft dar, die er seinen Schauspieler-Nachfolgern hinterlassen wollte.

Stephen King würde in seinem “Dunklen Turm” – Zyklus schreiben: “Die Welt hat sich weitergedreht, Revolermann.” Die Botschaft, die Gran Torino übermitteln will, darf und wird jedoch nicht ungehört bleiben.