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Charlotte Link: Am Ende des Schweigens

Nominiert für den Deutschen Bücherpreis 2004, überraschend durch die Abgründe menschlichen Seins und Handelns. “Am Ende des Schweigens” steht für eine tiefsinnige, komplexe Geschichte, die den Hörer fesselt.

Charakteristisch für Charlotte Link sind die ausgeprägten Persönlichkeiten, die sich von starken Motiven geleitet, auf einem Konfliktfass gefüllt mit reinem Dynamit niederlassen. Obwohl sich die eigentliche Handlung langsam entfaltet, lauern Spannung und Gefahr bereits in den ersten Handlungsminuten.

Für Abwechslung sorgen weiterhin Perspektiv- und Erzählwechsel, die dem Leser das grobe Bild der Situation vorgeben, welches Stück für Stück mit dem Zuspitzen der Dinge vertieft wird.

An einigen Stellen wirkt die Charaktertiefe allerdings zu grell, um glaubhaft zu sein. Mariele Millowitsch kann diesen Aspekt durch ihr Engagement beim Sprechen der Rollen aber kompensieren. Als Ricarda gelingt ihr das sogar so gut, dass eine vollkommene Abneigung gegen die Figur aufgebaut werden kann.

In eben dieser Tiefe liegt auch der einzige Mangel: Obwohl die Konflikte an die Persönlichkeiten ihrer Streitparteien angelehnt sind, geht die notwendige Tiefe bei ihnen manchmal verloren. Man erwartet das Detailreichtum, mit welchem der psychologische Figurenhintergrund ausgestattet ist, auch im Handlungsfeld. Eben dort wird aber großen Wert auf strikte Rationalität gelegt. Vielleicht kommt dieser Punkt aber auch nicht zur Geltung, weil hier eine fürs Hörbuch gekürzte Fassung diskutiert wird.

Dennoch war die Nominierung gerechtfertigt, verfolgt der Zuhörer doch eine Geschichte voller Lügen, Intrigen und Sehnsüchte. Ein Werk, das für sich selbst spricht – am Ende des Schweigens.