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Bernd Kemter: Der Bannfluch

In “Der Bannfluch” zeichnet Bernd Kemter die letzte Reise des Mystikers Meister Eckhart nach. Dabei gewährt er dem Leser Einblicke in verschiedene Lebensbereiche des Mittelalters.

Die historischen Etappen der Reise beschreibt der Autor durch die Augen von Georg, einem fiktiven Charakter, der Eckharts Reisegefährte und Schüler wird. Durch die Wahl dieser Hauptperson gelingt es, die jugendliche Faszination für Religion, Architektur und Wissenschaft dem Leser durch bildhafte Sprache näher zu bringen. Die Erlebnisse des Protagonisten werden durch eine Rahmenhandlung eingeleitet und in Rückblenden aufgearbeitet. Dennoch ist die Handlung durch den straffen Erzählstil dicht gehalten.

Eckhart steht unter Zeitdruck: Er muss die Strecke Köln – Avignon vor seinem Rivalen bewältigen. Der Leser wird vom Fieber dieser Aufgabe mitgerissen. Ebenso wie sich die Position der Protagonisten von den Verfolgern zu Verfolgten wandelt, weitet sich der neue Lebensweg Georgs, dessen erster Trittstein auf Glauben gesetzt ist, sich jedoch immer mehr zum Geistigen wendet.

Bernd Kemter nutzt die fiktive Auseinandersetzung Eckharts mit seinem Schützling, um den Mystiker menschlicher, mit Licht- und Schattenseiten darzustellen. Mal ist er die gerühmte, geistliche Größe, mal egozentrisch auf sein eigenes Weiterkommen bedacht. Der Leser leidet mit Eckhart, nimmt an seiner Reue teil, empört sich über seine Härte gegen Georg. Jeder Schritt ihrer Reise wandelt das Duo – ist sie doch eine Gratwanderung zwischen Heil und Verdammnis.

“Der Bannfluch”, die überarbeitete Fassung von Kemters “Meister Eckharts Prozess” ist eine Stippvisite in verschiedene sozial hierarchische Strukturen des europäischen Spätmittelalters, eingebettet in der Suche nach Wahrheit im Allgemeinen und nach Gott in uns im Besonderen.

Kemter, Bernd: Der Bannfluch. Erzählung um den Mystiker Meister Eckhart. 2012 ISBN 978-3-940911-24-7 Verlag Leben in der Sprache